Die Herkunft des Coronavirus: Wildtiere

28.03.2020, Valeria Renna
Seit gut zwei Monaten beschäftigt es uns fast ununterbrochen: das Coronavirus, welches von der WHO auf den Namen Sars-CoV-2 getauft wurde und welches die Krankheit Covid-19 (Coronavirus disease 2019) verursacht. Sein geographischer Ursprung ist Wuhan, eine zentralchinesische Stadt in der Provinz von Hubei, in der etwa 11 Millionen Menschen leben. Es wird angenommen, dass das Virus höchstwahrscheinlich auf einem Fisch- und Meeresfrüchte-Markt zum ersten Mal von Wildtieren auf den Menschen übertragen wurde. Auf dem Markt wurden nebst Fischen auch Fledermäuse, Schlangen und weitere Wildtiere gehandelt. Seither wurde das Virus von Mensch zu Mensch übertragen.
Die Familie der Coronaviren

Die Coronaviridae sind eine Familie von Viren, die genetisch hochvariabel sind. Der Name «Coronaviren» hängt mit deren Aussehen unter dem Elektronenmikroskop zusammen: die Stacheln auf ihren kugelförmigen Hüllen erinnern an eine Krone oder einen Strahlenkranz ähnlich der Sonnenkorona [1]. 

Einige der Corona-Viren können von Wildtieren auf Menschen übertragen werden (Zoonosen) und bewirken damit sogenannte zoonotische Infektionen. In diese Familie gehören auch die beiden Viren, welche die SARS-Pandemie (2002-2003) und die MERS-Epidemie (2012-2014) verursacht haben, sowie harmlose Erreger von Erkältungen [2]. SARS-CoV-2 ist das siebte Mitglied der Coronaviren, von denen bekannt ist, dass sie Menschen infizieren [3]. Wegen der weiten Verbreitung von Coronaviren, der grossen genetischen Vielfalt und der häufigen Veränderung ihrer Genome sowie der zunehmenden Aktivitäten an der Schnittstelle zwischen Mensch und Wildtier ist es sehr wahrscheinlich, dass beim Menschen periodisch neue Coronaviren entstehen werden [4].

Die biologische Herkunft

Ein detailliertes Verständnis der Herkunft des Virus und dessen Artengrenzen-Übertragung ist sehr wichtig für die Vorbeugung zukünftiger Zoonosen [3]. Bezüglich des Coronavirus wurde schnell klar, dass es von Tieren auf den Menschen übertragen wurde. In Fachkreisen wurden als Infektionsquellen Schlangen und Schuppentiere (Pangolin) diskutiert. Diese Hypothese basiert auf der Tatsache, dass Pangoline sterben, wenn sie vom Coronavirus befallen werden, und dass diese Schuppentiere in China gehandelt und verkauft werden, obwohl das illegal ist [5].

Fledermäuse als Infektionsquelle

Seit Mitte Februar vermuten die Wissenschaftler, dass eine Fledermaus der Familie der Hufeisennasen (Rhinolophidae) die Quelle des Virus darstellt [6,7,8]. Eine Gruppe von Forschern konnte nämlich bestätigten, dass das Sars-CoV-2 Genom bis zu 96% mit dem Genom des Fledermaus-Coronavirus übereinstimmt [9]. Fledermäuse können mit Viren infiziert sein, ohne selber klinische Symptome zu zeigen. Diese Eigenschaft und die zunehmende Präsenz von Fledermäusen, Fledermausprodukten und anderen Wildtieren auf den Märkten für Lebensmittel und traditionelle Medizin in Südchina und anderen Teilen Asiens unterstützen die Hypothese, dass Fledermäuse als Reservoir am Anfang der aktuellen Pandemie standen [10]. Allerdings geht man davon aus, dass das neue Virus nicht direkt, sondern über Zwischenwirte übertragen wurde, wie dies bereits bei SARS (Schleichkatzen) und MERS (Kamele) der Fall war [3,6,10]. Wissenschaftler sind daran, den genauen Verlauf der Übertragung des Virus zu untersuchen.

Wildtiermärkte, Gesundheit und Natur- und Tierschutz

Mehr als 70% der heutigen Infektionskrankheiten, die den Menschen betreffen, sind Zoonosen, stammen also von Wildtieren [11,12]. In diesem Sinn ist es für die globale Gesundheit sehr wichtig, solche Übertragungen vom Wildtier auf den Menschen zu vermeiden. 
Durch Wildtiermärkte, Schwarzmärkte und illegale Haltung von Wildtieren wird ein enger Kontakt von Tieren und Menschen gefördert, was eine Übertragung von Viren beschleunigt [11]. Zudem ist dies auch höchst problematisch bezüglich der Erhaltung gefährdeter Arten sowie des Tierschutzes. Der Handel von Wildtieren z.B. aus medizinischen Gründen oder als Lebensmittel ist in China sehr verbreitet und kulturell verankert und ein schnell wachsender, enorm einträglicher Wirtschaftszweig.

Verbot des Handels von Wildtieren in China

Wildtiere per se stellen keine Gefahr für unsere Gesundheit dar. Es sind das Fangen, Schlachten, Handeln und Verzehren von Wildtieren, oft unter tierschützerisch und hygienisch prekären Verhältnissen, welche die unmittelbare oder direkte Ursache für die Übertragung von Viren darstellen. Aus diesem Grund haben sich gegen Ende Januar die chinesischen Behörden entschlossen, den Transport und den Handel mit Wildtieren permanent zu verbieten, die Wildtierindustrie strenger zu überwachen und zu regulieren und den illegalen Handel intensiver zu verfolgen [13]. Verbot und Verfolgung sind entscheidend, sowohl für unsere Gesundheit und als auch für das Tierwohl und den Naturschutz; es ist alleine jedoch nicht genug, einerseits weil Wildtiermärkte nicht nur in China stattfinden, andererseits weil der illegale Wildtierhandel nicht stoppen wird, wenn die Nachfrage weiter besteht.

Schuppentier auf einer Wiese
Pangolin (Schuppentier)
Asiatische Hufeisennase im Flug
Asiatische Hufeisennase
Verwendete Literatur

[1]: Nature, 1968, “Virology: Coronaviruses”

[2]: Journal of medical virology, 2020, “Outbreak of pneumonia of unknown etiology in Wuhan, China: The mystery and the miracle”

[3]: Nature medicine 2020, “The proximal origin of Sars-CoV-2”

[4]: The New England Journal of Medicine, 2019, “A Novel Coronavirus from Patients with Pneumonia in China, 2019”

[5]: Spektrum.de, 2020, “Grösste Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg”

[6]: Higgs, 2020, ”Ausserordentliche Lage: Die wichtigsten Antworten zum neuen Coronavirus”

[7]: Helmholz Zentrum für Infektionsforschung, HZI Coronaviren

[8]: Li et al. Infect Genet Evol. 2020

[9]: Nature, 2020, “A pneumonia outbreak associated with a new coronavirus of probable bat origin”

[10]: Science, 2005, “Bats Are Natural Reservoirs of SARS-Like Coronaviruses”

[11]: Zeit.de, 2020, “Wildtierhandel muss aufhören»

[12]: Prowildlife, 2020, “Coronaviren und der Tierhandel“

[13]: African Conservation Foundation, 2020, “How is the novel coronavirus connected to wildlife?”